Wenn die eigenen Eltern mit ihrem Enkelkind herumtoben, ist das ein schönes Bild. Doch wenn der Enkelkinderwunsch der Eltern auf den eigenen unerfüllten Kinderwunsch prallt, kann es schwierig werden.

Hilfe! Nun drängen die Eltern auch noch auf ein Enkelkind

Stolpersteine gibt es viele auf dem Kinderwunschweg. Da sind ganz klassisch die übergriffigen Klapperstorchfragen oder die Tatsache, dass plötzlich alle im Umfeld schwanger sind. Der Wunsch nach Enkelkindern von den eigenen Eltern ist ebenfalls so ein Stolperstein. Und an diesem Stolperstein kann man sich so richtig die Nase stoßen und es kann so richtig weh tun.

Wie Du einen guten Umgang mit dem Enkelkinder-Wunsch findest, der die Beziehung zu den Eltern stärkt, erfährst Du in diesem Artikel.

Niemand sagt, dass es einfach ist

Für mich war dieser Stolperstein aus zwei Gründen so groß und schwierig.

Da war zunächst mein Papa, der wunderbar mit Kindern umgehen konnte und auch immer sofort total beliebt bei ihnen war. Immer wenn ich das gesehen habe, hat es mir einen Stich versetzt. Ich war eifersüchtig. Eifersüchtig auf die Kinder, mit denen mein Vater sich so voller Freude beschäftigte. Ganz besonders eifersüchtig war ich aber auf die Eltern dieser Kinder, weil sie die Aufmerksamkeit und Anerkennung meines Vaters hatten. Der Witz an der Sache war, dass meine Eifersucht total überflüssig war. Mein Vater hat mich immer und bedingungslos geliebt. Nie hätte er mir auch nur im Ansatz einen Vorwurf gemacht, weil ich nicht für ein Enkelkind sorge. Nicht mal in Gedanken wäre auf die Idee gekommen, aber ich fühlte mich schuldig. Sogar heute, 15 Jahr später, sitzt der Stachel der Schuld immer noch tief. Ich hätte ihn so gerne zum Opa gemacht. Er wäre ein so wundervoller Großvater gewesen und auch meinem Kind hätte ich diesen Opa so sehr gegönnt.

Meine innere Überzeugung, dass meine Eltern und ganz besonders meine Mutter überhaupt nicht verstehen können, was ich durchmache, hat es zusätzlich schwer gemacht. Ich war mir so sicher, dass meine Mutter nicht nachvollziehen kann, wie es mir wirklich geht. Schließlich hat sie ja ein Kind bekommen. Aufgrund dieser Überzeugung habe ich mir nicht einmal die Mühe gemacht, zu versuchen, mit ihr darüber zu reden. Stattdessen habe ich ihr insgeheim das fehlende Verständnis vorgeworfen. Ganz schön ungerecht.

Wenn auch die Eltern nervige Klapperstorch-Fragen stellen, erzeugt das zusäatzlich Druck und sorgt für schlechte Stimmung.
Wenn auch die Eltern nervige Klapperstorch-Fragen stellen, erzeugt das zusäatzlich Druck und sorgt für schlechte Stimmung.

Aber so schnell geht das auf dem Kinderwunschweg. Wir werden von unseren Gefühlen überschwemmt und kommen auf das Naheliegende gar nicht mehr.

Bei mir hat es dazu geführt, dass das eigentlich gute und enge Verhältnis zu meinen Eltern gestört wurde. Da stand auf einmal etwas zwischen uns und ging sogar so weit, dass wir einige Monate totale Funkstille hatten. Das war für uns mehr als ungewöhnlich. Zum Glück haben wir das überwunden und es sind auch keine ernsthaften Schäden zurückgeblieben. Doch wie konnte es überhaupt so weit kommen?

Was passiert, wenn der unerfüllte Kinderwunsch auf den Enkelkinderwunsch der Eltern trift

Da ist zunächst einmal sowieso das totale Gefühlschaos durch das wir während unserer Kinderwunschzeit jeden Monat aufs neue durch müssen. Diese Achterbahn der Gefühle aus Hoffnung und Enttäuschung. In Bezug auf unsere Eltern kommen weitere Gefühle dazu:

  • Schuldgefühle
  • Traurigkeit
  • Eifersucht
  • Gefühl zu versagen
  • Minderwertigkeitsgefühl

Aber welche Erwartungen sind nun tatsächlich auf beiden Seiten da?

Wenn ich jetzt darüber nachdenke, wird mir bewusst, wie selbstverständlich ich davon ausgegangen bin, dass meine Eltern ein Enkelkind von mir erwarten. Haben sie das jemals gesagt oder auch nur angedeutet? Nein, das haben sie wirklich nie getan. Heute glaube ich, dass sie einfach nur wollten, dass es mir gut geht und dass ich glücklich bin. Weil sie wussten, dass ich mir mein Leben mit Mann, Haus, Garten und zwei Kindern ausgemalt hatte, wollten sie natürlich auch ein bis zwei Enkelkinder. Einfach weil sie wussten, dass das mein Wunsch ist. Erwartet haben meine Eltern ganz sicher, dass ich mit ihnen über meinen Kummer spreche und sie teilhaben lasse. Vielleicht haben sie die Chance erwartet, mich unterstützen zu können. Doch ich wollte sie damals nicht belasten. Außerdem war ich ja der festen Überzeugung, dass sie mir weder helfen können, noch mich wirklich verstehen können.

Wenn Du es besser machen willst

Im Rückblick auf mein Verhalten in dieser Zeit und mit meinen inzwischen gewonnenen Erkenntnissen daraus, würde ich heute einiges anders machen. Zum Glück ist es am Ende gut ausgegangen und der Kontakt zu meinen Eltern ist immer noch gut.

Das, was habe ich daraus gelernt habe, will ich sehr gerne mit Dir teilen, damit es an dieser Stelle auf Deinem Weg leichter für Dich wird. Schließlich muss nicht jeder dieselben Fehler machen.

Reden hilft

Reden hilft, heißt es so schön und das stimmt in diesem Fall zu 100 %. Du schadest Dir einfach nur selbst, wenn Du alles mit Dir alleine aus machst. Es ist es besser zu wissen, welche Erwartungen und Gefühle beim Gegenüber da sind, als es nur zu ahnen.

Reden hilft auch, wenn es darum geht, dass Deine Gefühle und Bedürfnisse berücksichtigt werden. Deine Mitmenschen können genauso wenig wissen, was Du brauchst und wie es Dir geht, wie Du es auch nicht von Deinen Liebsten wissen kannst. Das bedeutet, dass Du sehr wohl sagen darfst, wenn Du über etwas mal nicht sprechen willst. Meistens wollen unsere Eltern doch in erster Linie, dass es ihren Kindern gut geht. Weil sie uns nicht verletzen wollen, sprechen sie dann vielleicht von sich aus gewisse Dinge nicht an. Das ist selten Desinteresse, sondern Rücksichtnahme.

Eine Strategie für den Umgang mit den verschiedenen Stolpersteinen und Herausforderungen zu haben, ist sehr hilfreich und macht es Dir auf Deinem Kinderwunschweg etwas leichter. Wenn Du Dir bewusst darüber bist, was Du willst und was Du tun kannst, dann kannst Du das auch klar kommunizieren. Das ist der Schlüssel für einen Kinderwunschweg mit leichterem Gepäck.

In drei Schritten zu einem „guten“ Umgang mit dem Enkelkinder-Wunsch

  1. Der erste Schritt für eine Strategie, ist überhaupt das Bewusstsein für diesen Stolperstein zu entwickeln. Wenn Du jetzt also sagst: „Ja stimmt, auch bei meinen Eltern besteht der Wunsch nach Enkelkindern.“, dann hast Du schon einen großen Schritt gemacht.
  2. Im zweiten Schritt kannst Du Dir dann bewusst machen, was diese Erkenntnis bei Dir auslöst.
    1. Welche Gefühle und Emotionen werden geweckt?
      1. Setzt Dich das unter Druck? Macht Dich das traurig?
    2. Welche Erwartungen hast Du?
    3. Welche Bilder kommen in Deinen Kopf?
      1. Siehst Du Deine Eltern schon als glückliche Großeltern mit Deinem Kind umhertollen?
  3. Wenn Du Dir nun bewusst darüber bist, was dieser Enkelkinderwunsch in Dir auslöst, dann mache Dir im dritten Schritt Gedanken darüber, was Du möchtest. Denn darauf kommt es an.
    1. Es kommt darauf an, wie Du mit dem Thema umgehen möchtest.
    2. Was tut Dir gut? Sei ehrlich mit Dir.
      1. Tut es Dir wirklich gut, das Thema immer wieder im Gespräch mit Deinen Eltern auszuklammern?
      2. Oder wünschst Du Dir vielleicht Fragen von ihnen, weil das Interesse zeigt.
      3. Möchtest Du einfach nur mal in den Arm genommen werden?
      4. Wünschst Du Dir mehr Rücksichtnahme von Deinen Eltern?

Du hast Deine Antworten gefunden? Prima!

Dann denk‘ dran: „Reden hilft!“, und Du bist selbst dafür verantwortlich, dass Deine Wünsche berücksichtigt werden können. Das geht aber nur, wenn Du sie kommunizierst, also suche das Gespräch mit Deinen Eltern. Frage sie, wie groß ihr Wunsch nach einem Enkelkind tatsächlich ist. Erzähle ihnen von Deinem Kinderwunschweg und wie es Dir damit geht. Genauso kannst und solltest Du Deinen Eltern sagen, wenn Du einfach mal eine Pause von dem Thema oder etwas Abstand von ihnen brauchst.

Ich bin mir sehr bewusst darüber, dass auch der offene Umgang schwierig und anstrengend sein kann. Ich würde es heute dennoch genau so machen, weil ich erfahren habe, dass die „Vogel-Strauß-Taktik“ noch viel anstrengender ist.

Du wünschst Dir Unterstützung? Dann schreibe mir, ich bin da für Dich. Entweder in Deinem persönlichen Orientierungsgespräch mit mir oder in meinem Gruppenprogramm, das im Herbst startet. Hier geht’s zur Warteliste.

Ich freue mich auf Dich.

Herzlichst,

Deine Bianca vom Kinderwunschpfad