Ein Wegweiser: Ist es ein Zeichen von Schwäche oder Stärke, wenn Du Dir Hilfe auf den Kinderwunsch-Weg holst?

Sei stark – hol Dir Hilfe auf Deinen Kinderwunsch -Weg

Du spürst, dass Dich Dein unerfüllter Kinderwunsch immer mehr belastet? Du sehnst Dich nach Verständnis und Unterstützung? Aber gleichzeitig denkst Du, dass Du das alles allein schaffen musst? Schließlich ist es ein Zeichen von Schwäche, wenn Du um Hilfe bittest?

Das Gegenteil ist der Fall: Hilfe annehmen ist STÄRKE. Also sei stark und hol‘ Dir Unterstützung.

Hilfe – Wann und Wozu?

Ich war leider nicht so stark und ich habe mir keine Hilfe auf meinen Kinderwunsch Weg geholt. Im Rückblick betrachtet, sehe ich die vielen Stationen, an denen ich mir besser Hilfe geholt hätte, sehr deutlich.

Zum Beispiel gleich zu Beginn des Weges, als wir merkten, dass eine Schwangerschaft sich gar nicht so leicht einstellen will und ich immer nervöser wurde. Von Monat zu Monat führte die Spirale aus Hoffnung und Enttäuschung abwärts. Bereits da wäre ein guter Zeitpunkt gewesen, über meine Gefühle und Ängste zu sprechen.

Damals habe ich gedacht, wenn ich darüber spreche, dann wird das Problem Realität und dann mache ich mich verrückt. Das war absoluter Quatsch, denn verrückt gemacht habe ich mich schon die ganzen Monate. Das begann schon im ersten Zyklus, nachdem wir beschlossen hatten, dass wir nun ein Kind wollen. Bei mir schlich sich quasi zeitgleich der Gedanke an: „Was ist, wenn das nicht klappt?“ Sobald dieser Gedanke einmal aufgetaucht war, hat er sich festgesetzt. Er ist auch nicht allein in meinem Kopf eingezogen. Er hat die Angst und die Unsicherheit gleich mitgebracht. Du kannst Dir sicher vorstellen, dass dieses Trio nicht förderlich für unseren Kinderwunsch war.

Die zweite Station, an der Hilfe definitiv angebracht war, war der Moment als die Untersuchungen begannen. Aus dieser Erkenntnis habe ich inzwischen meine Vision und meine Mission abgeleitet. Mein Ziel ist es, die Ärzte zu sensibilisieren für die seelischen Belastungen, die der Kinderwunsch-Weg mit sich bringt. Ich wünsche mir, dass die Ärzte bereits zu Beginn des Weges ihre Patientinnen und Patienten darauf hinweisen, dass eine mentale Unterstützung und Begleitung auf dem anstrengenden Weg wichtig und hilfreich sind. Im Idealfall hat er/sie auch gleich eine Liste mit Ansprechpartnern zur Hand.

Mein Mann und ich haben unseren Kinderwunsch durchaus kommuniziert und auch dass sich eine Schwangerschaft nicht so einfach einstellen will. Ich weiß nicht mehr genau wann, aber unsere Eltern haben wir bereits relativ früh in Kenntnis gesetzt. Auch mit Freunden haben wir dieses Thema besprochen. Mit Freunden, die auch nicht so einfach schwanger wurden. Der Witz ist nämlich, dass man die Menschen auf dem Kinderwunsch-Weg ohne Worte erkennt.

Der Austausch mit unseren Eltern und Freunden beschränkte sich aber meist auf die nächsten medizinischen Schritte und auf die Chancen-Beurteilung des Arztes. Die gut gemeinten Ratschläge à la „Wartet mal ab, das wird schon. Wenn ihr gar nicht mehr darüber nachdenkt, dann klappt das schon“ blieben natürlich nicht aus. Vermutlich kennst Du die auch und Du weißt selbst, dass diese Ratschläge nicht hilfreich sind. Sie sind halt eher „Schläge“, wenn sie auch noch so gut gemeint sind.

Die nächsten Hinweisschilder auf denen deutlich „HOL Dir HILFE“ geschrieben stand, tauchten auf, als der Dialog mit meinem Mann immer schwieriger wurde. Wir waren beide nicht besonders gut darin, uns gegenseitig unsere Gefühle und Gedanken zu diesem Thema mitzuteilen. Das war eine extrem große Belastung für unsere Beziehung.

Zeitgleich konnte ich all‘ die Schwangeren und glücklichen Muttis um mich herum einfach nicht mehr ertragen. Ich habe diese Dinge sehr wohl wahrgenommen, aber nicht als das was sie waren. Als Hilferufe meiner Seele. Darum habe ich natürlich auch nicht gehandelt, sondern als Einzelkämpferin weitergemacht wie bisher.

Irgendwann konnte ich das Schöne in meinem Leben immer weniger sehen. Irgendwann war die Welt um mich herum nur noch grau. Ich konnte die Farben nicht mehr sehen und ich konnte überhaupt nicht mehr sehen, dass ich ein schönes Leben habe. Heute weiß ich, dass dies die Vorboten einer Depression waren. Nun sollte man meinen, dass ich mir spätestens zu diesem Zeitpunkt Hilfe geholt habe. Schließlich habe ich ja erkannt, dass mit mir etwas nicht in Ordnung war. Doch ich war weiterhin davon überzeugt, dass ich da eben allein durch muss und dass es niemanden gibt, der mir helfen kann.

Wenn Du diesen Zustand kennst und jetzt kräftig nickst, dann suche Deinen Arzt auf, sprich mit ihm darüber und lass Dich beraten. SOFORT!

Achtung, wenn Deine Gedanken nur noch grau und trübe sind.

Ich dachte damals, dass es ein Zeichen von Schwäche ist, wenn ich mir Hilfe hole. Ich bekomme heute noch eine Gänsehaut, wenn ich daran denke. Ich hoffe inständig, dass Du viel, viel klüger bist, als ich es damals war. Damals habe ich mehr Glück als Verstand gehabt. Mein Herzenswunsch für Dich an dieser Stelle ist: Mach‘ es besser und hole Dir Unterstützung.

An der letzten Station hab‘ ich es dann auch begriffen

Wenn Du schon weiter bist auf Deinem Kinderwunsch-Weg und langsam erkennen musst, dass sich Dein sehnlichster Wunsch tatsächlich nicht erfüllen wird, dann wirst Du Dir wahrscheinlich immer öfter folgende Fragen stellen:

  • Wie kann meine Zukunft aussehen?
  • Welche Ziele habe ich eigentlich sonst im Leben?
  • Was ist der Sinn meines Lebens?

Vielleicht geht es Dir dann ähnlich wie mir damals. Du stellst fest, dass es keine Ziele und Perspektiven für Dich gibt. Das ist dann die nächste Station, um sich Unterstützung auf den Weg zu holen. Auch ich habe mir an diesem Punkt quasi Hilfe geholt. Genauer gesagt, habe ich mir Hilfe zur Selbsthilfe geholt. Das war ja auch schon etwas wert, oder?

Mich hat damals sehr die Frage beschäftigt, wie es beruflich für mich weiter gehen soll. Auf meinem Kinderwunsch-Weg hatte ich meine berufliche Entwicklung ziemlich aus den Augen verloren. Ich wusste zu dem Zeitpunkt nur, dass ich mit meinem Beruf nicht bis zur Rente zusammen bleiben will. Nur leider hatte ich keinen Plan davon, was ich stattdessen machen möchte. Mir hat damals ein Buch von Angelika Guldner geholfen, neue Ideen und Perspektiven zu entwickeln. Ihrem Tipp, das Umfeld zu befragen bin ich sogar gefolgt und bin so endlich wieder in einen echten Austausch mit meinen Lieblingsmenschen gekommen. Das Beste daran war, dass sie mir tatsächlich helfen konnten und plötzlich alles viel leichter war. Am Ende stand ich wieder mit einem neuen Ziel, mit Perspektiven und Motivation da. Mein Leben war wieder bunt und lohnenswert.

Du siehst also, es gibt sehr viele Stationen, an denen Du Dir Hilfe und Unterstützung auf Deinen Weg holen kannst und solltest.

Wer könnte Dir also auf Deinem Weg zur Seite stehen?

Vielleicht ist auch für Dich Deine Mutter und/oder Deine beste Freundin die erste Ansprechpartnerin. Ich habe damals allerdings die Erfahrung gemacht, dass mir der Austausch mit Frauen die selbst Mutter waren, nicht wirklich geholfen haben. Egal wie verständnisvoll und einfühlsam die Person war, bei mir blieb immer ein fader Beigeschmack. Schließlich kann eine Frau, die ein Kind austragen durfte, nicht wirklich und bis in letzte Konsequenz meine Sorgen, Gedanken und Gefühle nachvollziehen. Somit war für mich der Austausch mit meiner Freundin oder Mutter nur in einem begrenzten Rahmen hilfreich.

Der Austausch in einer Selbsthilfegruppe kann ebenfalls erleichternd sein. Besonders in den sozialen Medien gibt es heute viele Gruppen zum Thema. Hier ist es wichtig, dass Du achtsam mit Dir bist, denn die Mitglieder in diesen Gruppen machen sich leicht selbst „kirre“ oder ziehen sich gegenseitig herunter. Du solltest Dir also sehr gut überlegen, was Du Dir wünschst, was Du erwartest und auch was Du beitragen kannst. Diese Gruppen leben schließlich vom Austausch und das bedeutet: Nehmen und Geben.

Vielleicht hast Du auch Kontakt zum Pastor / zur Pastorin Deiner Gemeinde oder einem/r anderen Seelsorger/in. Die Frage ist auch hier, ob Du vielleicht an ähnliche Grenzen stößt, wie bei dem Austausch mit Deiner Freundin oder Deiner Mutter.

Auch Beratungsstellen, wie z.b. Pro Familia können Anlaufstellen für Dich sein. Meiner Erfahrung nach, sind diese Beratungsstellen häufig auf Schwangeren-Beratung, Beratung bei Schwangerschaftskonflikten und Elternberatung ausgerichtet. Das Thema ungewollte Kinderlosigkeit ist eher selten im Repertoire vorhanden.

Natürlich kannst und solltest Du mit Deinem behandelnden Arzt sprechen. Oft ist hier der medizinische Bereich mehr im Fokus. Das ist ja auch gut so, denn das ist sein/ihr Spezialgebiet.

Häufig arbeiten Kinderwunschkliniken mit Psychotherapeuten zusammen. Dieses Angebot solltet Ihr in Anspruch nehmen und ich hoffe sehr, dass Ihr bereits zu Beginn der Behandlung auf diese Möglichkeit hingewiesen werdet. Vielleicht ist eine gewisse Hemmschwelle bei Dir oder bei Deinem Partner vorhanden. Bei uns war es damals so und es hat eine Weile gedauert, bis wir beide die Bereitschaft entwickelt hatten, dieses Angebot anzunehmen.

Und dann gibt es da noch den Coach. Heute gibt es zum Glück immer mehr davon und auch immer mehr von ihnen, die sich auf das Thema ungewollte Kinderlosigkeit spezialisiert haben. Meistens auch aus eigener Erfahrung heraus. Mit dieser Erfahrung unterstützt Dich der Kinderwunsch-Coach dabei, Deinen eigenen Umgang mit diesem Thema zu finden.

Hilfe zu suchen und anzunehmen ist also absolut nichts Verwerfliches und auch kein Zeichen von Schwäche. Ganz im Gegenteil! Hilfe annehmen ist STÄRKE.

Also: Sei stark und hole Dir Hilfe.

Meine tiefste Überzeugung, aus meinem eigenen Weg entstanden ist: Niemand soll diesen Weg allein gehen.

Herzlichst,

Bianca vom Kinderwunschpfad