Verschiedene emojis bilden das Gefühlschaos im unerfüllten Kinderwunsch ab

Wie Du das Gefühlschaos auf dem Kinderwunschweg beherrschen kannst

Wenn Du Dich erst eine Weile auf dem Kinderwunsch Weg befindest, dann begegnest Du ganz vielen Gefühlen. Hoffnung wechselt sich ab mit Enttäuschung. Erwartungen die nicht erfüllt werden und zu Frust führen, Ängste, Ärger, Vorfreude und Trauer. Das stürzt Dich schnell in ein richtiges Gefühlschaos. Da wieder heraus zu finden ist nicht immer einfach, aber möglich. Einige Impulse und Ideen möchte ich Dir heute mit auf Deinen Weg geben.

Mit Belastungen ist der Kinderwunschweg reich gepflastert

Der Kinderwunschweg hält viele Belastungen bereit. Da ist zum einen die Angst zu versagen und als Frau nicht richtig zu funktionieren. Wir definieren unser Frau-sein noch immer sehr über das Mutter-sein. Wenn sich nun der Wunsch nach einem eigenen Kind nicht erfüllt und wir einfach nicht schwanger werden, dann fühlen wir uns ganz schnell minderwertig und nicht mehr als richtige Frau. Aber was sind wir dann? Wer sind wir?

Ab einem gewissen Alter kommen dann auch nervige Fragen und über griffige Kommentare aus unserem Umfeld. So etwa: „Na, was macht denn Eure Familienplanung?“ Das nervt nicht nur, sondern es ist auch jedes Mal äußerst schmerzhaft. Dazu kommen natürlich die ganzen Meldungen über Schwangerschaften von Freundinnen, aus der Familie und von Kollegen. Das ist jedes Mal wieder ein Stich ins Herz.

Eine meiner größten Achterbahnfahrten der Gefühle, habe ich während der Behandlung in der Kinderwunschklinik durchlebt. Bereits in meinem ersten Behandlungszyklus war es für mich unglaublich schwierig mir die Hormone zu spritzen. Ich habe teilweise eine halbe Stunde und länger gebraucht bis ich mir endlich die Nadel in den Bauch piksen konnte. Das war einfach nur noch furchtbar und dabei wollte ich doch nichts sehnlicher, als alles tun, um endlich schwanger zu werden.

Die zweite große Achterbahnfahrt der Gefühle startete, als ich nach unserem dritten IVF-Versuch die Erfolgsmeldung erhielt. Ich war endlich schwanger und konnte es nicht glauben. Natürlich war da zunächst die pure Freude, aber im nächsten Moment kam sofort die Angst um die Ecke. Ich hatte Angst, ob auch alles gut geht. Dazu gesellten sich noch die Zweifel, ob ich das wirklich will und ob ich überhaupt eine gute Mutter sein kann. Das fühlte sich an, als würde ich verrückt werden. So viele widersprüchliche Emotionen und Gedanken.

Aber ich kann Dir versichern, dass dieses Hin und Her der Gefühle absolut normal ist . Das ist einerseits natürlich hormonell bedingt, aber zusätzlich sorgen wir durch unseren eigenen Umgang mit dem unerfüllten Kinderwunsch dafür, dass unser Gefühlschaos immer größer wird.

Wir schaden uns oft selbst

Häufig höre ich, dass Frauen auf ihrem Kinderwunschweg quasi ihr gesamtes Leben dem

Kinderwunsch unterordnen. Das beginnt damit, dass sie natürlich ganz strikt auf Alkohol verzichten und sich sowieso nur noch gesund ernähren. VERZICHT ist hier das Schlüsselwort. Manche Frauen schrauben sogar ihren Lieblingssport zurück oder geben ihn ganz auf, weil er viel zu gefährlich ist für eine mögliche Schwangerschaft. Die Auswahl an Büchern, Blogs und Podcasts ist selbstverständlich und ausschließlich darauf ausgerichtet, möglichst viele Informationen rund um das Thema Kinderwunsch zu sammeln. Es gibt quasi kein anderes Thema mehr. Das ist natürlich auf Dauer nicht gut und auch nicht förderlich.

Zwei Pferde mit Scheuklappen - so bewegen wir uns viel zu oft durch unser Leben mit dem unerfüllten Kinderwunsch

Apropos „Nicht gut und nicht förderlich“: Die Menschen im eigenen Umfeld sind meist auch keine Hilfe. Ganz im Gegenteil! Die sind alle so wahnsinnig unsensibel, fragen ständig nach der Familienplanung und konfrontieren uns mit dem eigenen Kinderglück oder mit der nächsten Schwangerschaft. „Die könnten doch wirklich mal ein wenig Rücksicht nehmen. Die müssen doch merken, dass sie mich verletzen.“

Verstehe mich nicht falsch. Ich habe das alles ganz genau so empfunden und bin der Meinung, dass es ganz normale und auch berechtigte Empfindlichkeiten sind. Das Problem dabei ist allerdings, dass Du Dich mit dieser Sichtweise ganz automatisch in die Opferhaltung begibst und in der Opferhaltung kannst Du nicht agieren. Du hast Dein Leben also nicht mehr selbst in der Hand.

Das alles ist ein riesiger Rucksack

voll mit schwerem Ballast, der Dich immer weiter in die Knie zwingt. Ganz still und heimlich belasten all‘ diese Dinge Deine Seele und Du bemerkst es kaum. Du veränderst Dich immer mehr und das belastet möglicherweise irgendwann auch Deine Partnerschaft. Wenn Du alles Deinem Kinderwunsch unterordnest, dann verpasst Du Dein Leben.

Ich selber habe das in meinem beruflichen Umfeld bemerkt. Ich habe neben meiner Tätigkeit als Kundenberaterin von Anfang an auch die Azubis betreut. Das Thema Ausbildung hat mich immer sehr interessiert und mir viel Freude bereitet. Ich hätte mir gut vorstellen können, dahin zu wechseln und zum Beispiel als Trainerin Seminare zu geben. Das hätte ich aber meinem Arbeitgeber deutlich signalisieren müssen und ich hätte mich auch um entsprechende Weiterbildungen kümmern müssen. Das habe ich aber nicht. Warum?

Meine Ziele und Wünsche hatten keinen Platz in meinem Denken. Ich habe mir einfach nicht die Zeit genommen, mich mit mir selbst auseinander zu setzen. Für mich gab es nur diesen einen Lebensentwurf. Im Rückblick weiß ich heute, dass ich mir damit selbst sehr geschadet habe.

Drück auch mal auf …

Die Pause-Taste drücken hilft, um Klarheit ins Gefühlschaos des Kinderwunschweges zu bringen

Gönne Dir eine Pause auf dem Kinderwunsch Weg und nutze diese Pause um mal zurückzuschauen.

  • Was habt Ihr auf dem Kinderwunschweg schon erlebt?
  • Was habt Ihr schon unternommen?
  • Was hat das mit Dir gemacht?
  • Wie fühlst Du Dich gerade?

Nachdem Du Dir etwas Klarheit darüber verschafft hast, wo Du gerade stehst und wie Du dorthin gekommen bist, wage den Blick nach vorne. Frage Dich, was Du eigentlich willst in Deinem Leben, was Dir wichtig ist außer Deinem Kinderwunsch. Frage Dich auch mal, warum Du unbedingt ein Kind möchtest.

Das alles braucht ein bisschen Zeit und Ruhe. Diese Fragen gehen ganz schön tief und unter Umständen ist es sinnvoll, sich für diese Auseinandersetzung mit Dir selbst externe Begleitung zu holen. Nein, ich weiß ganz sicher aus eigener Erfahrung, dass eine Unterstützung auf Deinem Kinderwunschweg sehr sinnvoll und hilfreich ist.

Suche Dir also eine Person Deines Vertrauens, einen Coach oder Therapeuten, der/die diese Fragen mit Dir erörtert. Wenn Du Deine Antworten gefunden hast, wirst Du merken, wie Du selbst wieder zum Leben erwachst. Du spürst Dich selber wieder und kannst die Strapazen und dieses Gefühlschaos auf Deinem Kinderwunschweg wieder besser verarbeiten.

Es ist so wichtig, dass Du Dich selbst immer im Blick behältst.

Herzlichst,

Bianca vom

Kinderwunschpfad